Wirtschaftsforum der SPD e.V. zum Potenzial des chemischen Recyclings für die Kreislaufwirtschaft

Wirtschaftsforum der SPD e.V. diskutiert chemisches Recycling / Zenke: „Eine umfassende Kreislaufwirtschaft kann nur gelingen, wenn wir technologischen Fortschritt durch neue Rahmenbedingungen ermöglichen.“

Das Wirtschaftsforum der SPD e.V. diskutiert heute im Rahmen der öffentlichen Digitalkonferenz „Resilienz, Effizienz und Wertschöpfung – Die Circular Economy als Grundlage einer modernen Wirtschaft“ über die Chancen und Potenziale, welche insbesondere das chemische Recycling für eine moderne Kreislaufwirtschaft darstellt.

Prof. Dr. Ines Zenke, Vizepräsidentin des Wirtschaftsforums der SPD e.V., betont dabei: „Die Circular Economy setzt das Ausrufezeichen in Sachen Nachhaltigkeit. Dies muss im Koalitionsvertrag abgebildet und im Selbstverständnis moderner Wirtschaftspolitik verankert sein.“ Dabei müsse jedoch auch Klarheit geschaffen werden: die Kreislaufwirtschaft erschöpfe sich nicht nur auf das werkstoffliche Recycling – das volle Potenzial kann nur dann gehoben werden, wenn auch dem chemischen Recycling zum Durchbruch verholfen werde. Hierfür bedürfe es eines politischen Signals der Unterstützung.

Michael Wiener, CEO der DSD Holding GmbH & Co. KG, fordert: „Wir brauchen Offenheit für Technologie und Innovationen in der Kreislaufwirtschaft bei Kunststoff. Das bedeutet aber auch, dass mechanisches Recycling und chemische Verfahren gleichermaßen substantielle finanzielle Unterstützung erhalten müssen!“

Die Endlichkeit von Rohstoffen sei eine viel stärkere Bedrohung für die Sicherung und den Ausbau unseres Wohlstandes und müsse stärker in den öffentlichen Fokus gerückt werden, so Ralph Müller-Beck, Co-Leiter des Fachforums Ressourcen & Nachhaltigkeit beim SPD-Wirtschaftsforum. „Die Kreislaufwirtschaft hat das Potential der neue Wachstumsmotor für Deutschland und Europa zu sein.“

„An den künftigen Kurs Deutschlands als viertgrößter Industrienation richten sich hohe Erwartungen. Wir haben jetzt die einmalige Chance, eine wirklich nachhaltige, klimaneutrale Welt entscheidend mitzugestalten. Die künftige Bundesregierung muss den Wandel kraftvoll und mutig vorantreiben – großer Wurf statt kleinem Karo“, sagt Covestro-CEO Dr. Markus Steilemann. „Viele hervorragende technologische Ideen und Lösungen, insbesondere für die Transformation zur Kreislaufwirtschaft, gibt es bereits. Nun müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eng und vertrauensvoll an der Umsetzung arbeiten. Die chemische Industrie kann und wird ihren Beitrag leisten.“

Bernard Kemper, CEO der EEW Energy from Waste GmbH führt aus: „Der Wandel von einer linearen in eine Kreislaufwirtschaft ist in Deutschland erfreulich weit vollzogen. Die Umweltwirtschaft ist mittlerweile zu einer wirklichen Größe gewachsen, Recyclingtechnologien aus Deutschland sind international gefragt. Damit zufrieden geben wollen wir uns bei nur begrenzten globalen Ressourcen nicht. Wollen wir eine wachsende Weltbevölkerung versorgen, kann der Kreislauf nicht mehr nur Kür sein, sondern muss zur Pflicht werden. Wir als Unternehmen können einen stärkeren Beitrag leisten, wenn wir bislang ungenutzte Rohstoffpotentiale erschließen. Wir von EEW begreifen Abfall von je her als Ressource. In erster Linie zur Energiegewinnung, immer stärker aber auch als Rohstoffquelle. Was technisch und unternehmerisch möglich ist, muss aber auch politisch gewollt und flankiert werden. Mit dem chemischen Recycling öffnet sich ein Pfad, weitere Abfallströme als Recyclingrohstoff im Kreislauf zu führen. Möglich wird dies in einem politischen Rahmen, der es erlaubt, diese Rohstoffe auf die Recyclingquoten anzurechnen.“

Dr. Bettina Rechenberg, Fachbereichsleitung ‚Nachhaltige Produktion und Produkte, Kreislaufwirtschaft‘ beim Umweltbundesamt, gibt zu bedenken: „Die Techniken des Chemischen Recyclings sind – auch wenn sie noch weiterentwickelt werden – sehr energieintensiv. Ökologisch sinnvoll können sie daher für stark verschmutzte und nicht werkstofflich recyclingfähige Kunststoffe sein. Die Produktion von Kraftstoffen aus den Produkten des chemischen Recyclings ist aufgrund der Energieintensität energetisch nicht sinnvoll gegenüber der direkten energetischen Verwertung von Kunststoffabfällen.“